Bauchspeicheldrüsenkrebs: Pilze verstärken Tumorwachstum

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Hefepilze der Gattung Malassezia besiedeln das Organ und lösen Immunreaktionen aus, die die Vermehrung der Krebszellen beschleunigen

Malassezia furfur gehört zur normalen Hautflora des Menschen (rasterelektronenmikroskopische Aufnahme).

Malassezia furfur gehört zur normalen Hautflora des Menschen (rasterelektronenmikroskopische Aufnahme).

© Janice Carr / Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Wikimedia Commons

New York (USA) –

Bei verschiedenen Krebserkrankungen kann sich auch die normale bakterielle Besiedlung des jeweils betroffenen Gewebes, das lokale Mikrobiom, verändern, was den Krankheitsverlauf beeinflusst. Jetzt haben amerikanische Mediziner erstmals nachgewiesen, dass Pilze eine ganz ähnliche Bedeutung haben können. Wie sie in Versuchen mit Mäusen zeigen konnten, dringen Hefepilze der Gattung Malassezia aus dem Darm in die Bauchspeicheldrüse ein und beschleunigen dort die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms. Auch bei Patienten mit dieser Krebsform war der Gehalt an Malassezia-Hefen in der Bauchspeicheldrüse deutlich größer als bei gesunden Menschen, berichten die Forscher im Journal „Nature“. Die Behandlung von Mäusen mit einem Antimykotikum verlangsamte das Tumorwachstum und verbesserte den Erfolg einer Chemotherapie.

„Unsere Arbeit zeigt, dass das Mykobiom als neuer Ansatzpunkt für Therapien geeignet und für die Suche nach Biomarkern nützlich sein könnte“, schreiben die Wissenschaftler um George Miller und Deepak Saxena von der New York University. In Analogie zum Mikrobiom bezeichnet das Mykobiom die Gesamtheit aller Pilzarten, die einzelne Regionen im oder auf dem Körper besiedeln. Hefen der Gattung Malassezia zählen zu den normalen Bewohnern der gesunden Haut, können aber auch an der Schuppenbildung, an Ekzemen und Hautinfektionen beteiligt sein. In geringer Zahl besiedeln sie auch den Darm.

Die Forscher arbeiteten mit Mäusen, die genetisch so verändert waren, dass sie an einem langsam fortschreitenden Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse erkrankten. Im Gewebe der Drüse von 30 Wochen alten Tieren fanden sie eine etwa 3000-fach höhere Zahl an Pilzen als bei gesunden Mäusen. Vorherrschend waren Arten der Gattung Malassezia. Im Darm der Tiere gab es keine entsprechende Veränderung des Mykobioms. Bei Mäusen, deren Bauchspeicheldrüse zwar entzündet, aber krebsfrei war, hatte sich die Zahl an Pilzen im Pankreas nicht erhöht. Über einen Schlauch in den Darm übertragene fluoreszenzmarkierte Bäckerhefen ließen sich schon nach 30 Minuten auch in der Bauchspeicheldrüse nachweisen. Daraus schließen die Autoren, dass Malassezia-Pilze ebenso aus dem Darm über den Pankreasgang in die Bauchspeicheldrüse eindringen können.

Entwickelt sich in diesem Organ ein Tumor, vermehren sich die Pilze stark und fördern damit das Tumorwachstum. Das bestätigte eine Behandlung mit Amphotericin B: Das Antimykotikum eliminierte nicht nur die Pilze, sondern verringerte innerhalb von 30 Wochen auch die Tumorgröße im Vergleich zu unbehandelten Mäusen um 20 bis 40 Prozent. Das Abtöten der Pilze erhöhte zudem den Erfolg einer nachfolgenden Chemotherapie mit dem Zytostatikum Gemcitabin um 15 bis 25 Prozent. Wurde das Pankreasgewebe experimentell erneut mit Malassezia-Hefen besiedelt, verstärkte sich das Krebswachstum um 20 Prozent. Mit Pilzen anderer Gattungen wie Candida, Saccharomyces oder Aspergillus gelang das nicht.

Weitere Untersuchungen lieferten Hinweise darauf, auf welche Weise Malassezia-Pilze die Vermehrung der Krebszellen ankurbeln. Demnach lösen die Hefen Reaktionen der Immunabwehr über das sogenannte Komplementsystem aus, das aus einer Gruppe mehrerer Proteine besteht. Dabei werden auch Signalwege aktiviert, die die Zellteilung stimulieren, so dass sich auch Krebszellen schneller vermehren. Neben dem Einsatz pilztötender Antimykotika ergibt sich also eine weitere Möglichkeit der Therapie: Die Hemmung des durch Malassezia-Pilze aktivierten Komplementsystems in der Bauchspeicheldrüse würde die Beschleunigung des Tumorwachstums verhindern. Außerdem wollen die Forscher herausfinden, welche der Spezies von Malassezia in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung sind und gezielt eliminiert werden müssten, um die Krebstherapie zu verbessern.

© Wissenschaft aktuell

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