Entzündungshemmer gegen Depressionen

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Entzündungshemmende Medikamente können den Therapieerfolg einer Behandlung mit Antidepressiva verbessern

Fünf bis zwölf Prozent der Männer erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression, bei den Frauen sind es 10 bis 25 Prozent.

Fünf bis zwölf Prozent der Männer erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression, bei den Frauen sind es 10 bis 25 Prozent.

© Gerd Altmann / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

Wuhan (China) –

Bei Patienten mit depressiven Störungen laufen vermehrt Entzündungsreaktionen im Gehirn ab, die wahrscheinlich zu den Krankheitssymptomen beitragen. Daher wäre es möglich, den Erfolg einer Therapie durch den Einsatz entzündungshemmender Medikamente zu steigern. Diesen Zusammenhang bestätigen die Ergebnisse einer Metastudie, die Daten mehrerer Einzelstudien nutzt. Demnach haben Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, Omega-3-Fettsäuren, Statine und andere Medikamente mit entzündungshemmender Wirkung einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf, berichten chinesische Forscher im „Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry“. Langzeitstudien müssen noch die Verträglichkeit einer länger andauernden Behandlung prüfen.

Eine medikamentöse Therapie von Depressionen sei oft wenig effektiv und mit starken Nebenwirkungen verbunden, schreiben die Forscher um Zhouping Tang vom Tongji Hospital der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan. Neue Behandlungsformen seien daher dringend erforderlich. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass entzündungshemmende Wirkstoffe eine antidepressive Wirkung bei Patienten mit depressiven Störungen haben und einigermaßen sicher sind.“ Die Forscher werteten Daten aus 30 placebokontrollierten Studien aus, an denen insgesamt 1610 Patienten teilgenommen hatten. Untersucht wurde der Einfluss verschiedener Wirkstoffklassen entzündungshemmender Medikamente, die vier bis zwölf Wochen lang als Monotherapie oder in Kombination mit einem Antidepressivum verabreicht worden waren.

Im Vergleich zu einem Placebo verringerten die Entzündungshemmer die depressiven Symptome insgesamt um 52 Prozent und verbesserten den Therapieerfolg um 79 Prozent. Am wirksamsten erwiesen sich Omega-3-Fettsäuren, Statine, das Antibiotikum Minocyclin und Celecoxib (Handelsname: Celebrex), das wie auch Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählt. Der Einsatz als Kombinationstherapie bewirkte einen stärkeren positiven Effekt als die Monotherapie. Das könnte auf einem Synergieeffekt von Antidepressivum und Entzündungshemmer beruhen. Eine Verbesserung der generellen Lebensqualität war nicht nachweisbar, was auf eine zu geringe Zahl an Testpersonen und einen zu kurzen Untersuchungszeitraum zurückgeführt werden könnte. Starke Nebenwirkungen auf Herz und Gefäße oder Magen und Darm traten nicht auf, nur bei Statinen und N-Acetylcystein kam es zu Beschwerden im Verdauungstrakt. Wegen des oft chronischen Verlaufs depressiver Störungen sei es nötig, so die Autoren, durch größere Langzeitstudien mögliche Nebenwirkungen und die Auswirkungen auf die Lebensqualität noch genauer zu untersuchen.

© Wissenschaft aktuell

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