Klopapier-Hamsterkäufe: Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen Kaufverhalten in der Pandemie

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Nicht nur die Angst vor dem Virus, sondern auch die psychologischen Merkmale Gewissenhaftigkeit und emotionale Labilität erhöhten die Wahrscheinlichkeit, größere Vorräte anzulegen

Große Angst vor Ansteckung und stark ausgeprägte Gewissenhaftigkeit begünstigen Hamsterkäufe von Klopapier.

Große Angst vor Ansteckung und stark ausgeprägte Gewissenhaftigkeit begünstigen Hamsterkäufe von Klopapier.

© Nori Blume, Usage Restrictions: CC-BY

Leipzig –

Zu Beginn der Coronapandemie ließen Hamsterkäufe das Klopapier knapp werden – nicht nur in Deutschland. Ein deutsch-schweizerisches Forscherteam hat nun untersucht, ob dieses Kaufverhalten mit der individuellen Angst vor dem Virus und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt. Online-Befragungen von Testpersonen bestätigten zum einen eine enge Beziehung zwischen der Furcht vor Ansteckung und der Anzahl auf Vorrat gekaufter Klopapierrollen. Zum anderen erwiesen sich Menschen mit stark ausgeprägter Gewissenhaftigkeit und Ordnungsliebe als besonders anfällig für die Hamsterkäufe, wie die Wissenschaftler im Fachblatt „PLoS ONE“ berichten. Der Studie zufolge müsse es allerdings noch weitere psychologische und externe Faktoren geben, die das irrationale Verhalten erklären. Durch Vertrauen schaffende klare Informationen an die Bevölkerung könnten staatliche Stellen Ängste verringern und so vielleicht Hamsterkäufen entgegenwirken.

„Die subjektiv empfundene Bedrohung durch COVID-19 scheint ein wichtiger Auslöser für das Horten von Klopapier zu sein“, erklären die Forscher um Theo Toppe vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „Aber wir sind noch weit davon entfernt, dieses Phänomen umfassend zu verstehen.“ So untersuchten die Wissenschaftler unter anderem, ob auch Persönlichkeitsmerkmale dabei eine Rolle spielen. An ihrer Ende März 2020 durchgeführten Online-Studie beteiligten sich etwa tausend Menschen, überwiegend Frauen, aus 22 Ländern in Europa und Nordamerika. Die Probanden gaben Auskunft darüber, wie stark sie sich durch die Pandemie bedroht fühlten, wie viele Packungen Klopapier sie in den vergangenen zwei Wochen gekauft und wie viele Rollen sie derzeit in der Wohnung gelagert haben. Über einen speziellen Fragenkatalog ermittelten die Forscher Persönlichkeitsmerkmale wie Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen, Extraversion, emotionale Labilität sowie Ehrlichkeit und Bescheidenheit.

Der gelagerte Bestand an Klopapier betrug bei den Europäern meist 4 bis 14 und bei den Amerikanern 6 bis 18 Rollen. Die Furcht vor einer Infektion stieg mit dem Alter, war bei Frauen größer als bei Männern und bei den Amerikanern größer als bei den Europäern. Je stärker die gefühlte Bedrohung, desto größer war der Vorrat an Klopapier. Eine erhöhte emotionale Labilität verstärkte die Furcht und hatte so auch einen indirekten Einfluss auf das Kaufverhalten. Menschen mit stark ausgeprägter Gewissenhaftigkeit – gekennzeichnet durch Ordnungsliebe, Besonnenheit und Selbstdisziplin – lagerten in der Wohnung mehr Klopapierrollen als andere. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Größe des Haushalts, der politischen Einstellung und den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit infolge der Pandemie.

Da die Vorratshaltung in keiner Beziehung zur Sorge um Gesundheit oder Arbeitsplatz stehe, diene das gelagerte Klopapier wohl als „rein subjektives Symbol der Sicherheit“, schreiben die Autoren. Die bisher untersuchten Faktoren könnten aber nur einen geringen Teil des unterschiedlichen Kaufverhaltens erklären, wie statistische Analysen ergaben. Möglicherweise seien auch Merkmale wie Optimismus, Perfektionismus und soziales Verhalten von Bedeutung – sowie das Vertrauen in Informationen und angeordnete Maßnahmen der Behörden. Die Forscher folgern aus ihren Ergebnissen, dass eine klare Kommunikation staatlicher Stellen und einfache Verhaltensregeln in der Pandemie helfen könnten, die Furcht der Bevölkerung zu verringern und dadurch Panikverhalten wie Hamsterkäufe zu verhindern.

© Wissenschaft aktuell

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