Überstandene Grippe stärkt generelle Immunabwehr der Lunge

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Eine Influenzainfektion führt dazu, dass sich die Zahl der Makrophagen in der Lunge erhöht, was vorübergehend den Schutz vor bakteriellen Erregern verbessert

Eine Grippe aktiviert auch das angeborene Immunsystem.

Eine Grippe aktiviert auch das angeborene Immunsystem.

© OpenClipart-Vectors / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

London (Großbritannien) –

Als Reaktion auf eine Grippeinfektion bildet das erworbene Immunsystem Gedächtniszellen, die es ermöglichen, eine erneute Infektion mit dem gleichen Erreger schneller abzuwehren. Die überstandene Virusinfektion führt aber gleichzeitig zur Aktivierung von Zellen des angeborenen Immunsystems in der Lunge, so dass auch andere Erreger effektiver bekämpft werden können. Das ist das Ergebnis von Tierversuchen, wie britische Forscher im Fachblatt „Nature Immunology“ berichten. Demnach steigt im Verlauf einer Grippe die Zahl aktivierter Makrophagen im Lungengewebe, was vorübergehend die Immunabwehr einer nachfolgenden Pneumokokkeninfektion stärkt. Dieser Effekt könnte dazu beitragen, dass sich die Abwehrkraft der Lungen gegen Infektionen mit der Zeit häufig ändert.

„Unser Immunsystem ist ein Mosaik aus verschiedenen Schutzmechanismen und der Schutzschild ist nicht immer gleich stark“, sagt Gruppenleiter Andreas Wack vom Francis Crick Institute in London. Das könne auch erklären, warum die gleiche Infektion einmal nur schwache und ein anderes Mal viel schwerere Symptome auslöst, ergänzt Erstautorin Helena Aegerter. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie eine Virusinfektion Zellen des angeborenen Immunsystems länger anhaltend verändern kann.“ Die Forscher infizierten Mäuse mit Influenza A-Viren. Nach zwei Wochen waren die Krankheitssymptome abgeklungen und keine Viren mehr in den Lungen nachweisbar. Nochmals zwei Wochen später wurden diese Tiere mit Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), einem bakteriellen Erreger, infiziert. Im Vergleich zu Mäusen, die zuvor nicht an einer Grippe erkrankt waren, zeigten die Tiere schwächere Krankheitssymptome und höhere Überlebensraten.

Im akuten Stadium der Virusinfektion hatte sich die Zahl der Makrophagen in den Lungen zunächst deutlich verringert. Dann wanderten verstärkt weiße Blutkörperchen (Monozyten) aus dem Knochenmark in das Lungengewebe ein und wandelten sich in Makrophagen um. Angeregt durch die Infektion mit Pneumokokken, setzten diese Immunzellen große Mengen des Botenstoffs Interleukin-6 frei und verstärkten damit Entzündungsreaktionen und die Abwehr der bakteriellen Erreger. Die normale Makrophagenpopulation der Lungen war dazu nicht in der Lage. Zwei Monate nach der Influenzainfektion waren die aus dem Knochenmark eingewanderten Zellen zwar noch immer zahlreich vorhanden. Die Aktivitäten einiger ihrer Gene hatten sich allerdings so verändert, dass die Immunzellen weniger Interleukin-6 freisetzten und die Abwehr einer bakteriellen Infektion nicht mehr im ursprünglichen Maß unterstützen konnten.

Die Forscher vermuten, dass eine Grippeinfektion beim Menschen eine ähnliche vorübergehende Schutzwirkung hat und dabei hilft, eine nachfolgende bakterielle Lungeninfektion besser zu überstehen. Welche Signale das Einwandern der Monozyten auslösen, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise spielen das Absinken der Makrophagenzahl und starke Entzündungsreaktionen in der Lunge dabei eine Rolle. Da Menschen ihr Leben lang immer wieder Episoden von Atemwegsinfektionen erleiden, vermuten die Autoren, dass auch die Stärke der Immunabwehr gegen verschiedene Erreger einem ständigen Wechsel unterliegt. An einer Grippe zu erkranken, sei aber keinesfalls wünschenswert, nur weil der Genesung eine Phase der verstärkten Immunabwehr folgt, betont Aegerter. Es sei wichtiger, sich durch die jährliche Grippeimpfung vor einer für manche lebensbedrohlichen Infektion zu schützen.

© Wissenschaft aktuell

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