Verletzte Haut heilt ohne Narben

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Neues Wundgel aktiviert Immunsystem und verbessert so die Hautregeneration

Im Zentrum einer heilenden Hautwunde haben sich auch Haarfollikel (erkennbar an den grün umrandeten Spitzen) regeneriert.

Im Zentrum einer heilenden Hautwunde haben sich auch Haarfollikel (erkennbar an den grün umrandeten Spitzen) regeneriert.

© Tatiana Segura Lab, Duke University

Los Angeles (USA) –

Während oberflächliche Hautverletzungen meist vollständig regenerieren, führt die Heilung größerer Wunden zu bleibenden Narben. Ein Wachstum von Narbengewebe ermöglicht zwar einen schnellen Wundverschluss. Die neue Haut bleibt aber unbehaart, ist weniger fest als normale Haut und enthält keine Talgdrüsen. Die Wundbehandlung mit einem Gel, das aus einer abbaubaren, porösen Gerüstsubstanz besteht, beschleunigt den Heilprozess. Doch die Regeneration des Hautgewebes verbessert sich deutlich, wenn das Gel Substanzen enthält, die das Immunsystem aktivieren, wie amerikanische Forscher im Fachblatt „Nature Materials“ berichten. Auf diese Weise behandelte Hautwunden von Mäusen heilten so, dass die neu gebildete Haut nicht nur fester war, sondern auch Haare und Talgdrüsen entwickelte.

„Ich finde es sehr interessant, dass es möglich ist, Materialien zu erzeugen, die dadurch die Geweberegeneration unterstützen, dass sie direkt mit dem Immunsystem wechselwirken“, sagt Tatiana Segura von der University of California in Los Angeles. Das von den Wissenschaftlern verwendete Gel enthielt vernetzte Mikropartikel aus Polyethylenglycol. Diese dienten als Gerüstsubstanz, in deren Hohlräumen sich neue Hautzellen schnell vermehren konnten. Das ursprüngliche Ziel zur Verbesserung des Gels bestand darin, den natürlichen Abbau der Gerüstsubstanz zu verlangsamen. Deshalb ersetzten die Forscher einige der für die Quervernetzung der Gelpartikel benutzten Peptide aus L-Aminosäuren durch Peptide mit den spiegelbildlichen Molekülformen der jeweiligen D-Aminosäuren. Das sollte den enzymatischen Abbau erschweren.

Überraschenderweise hatte der Einsatz des veränderten Gels in Experimenten mit Mäusen den gegenteiligen Effekt: Der Abbau beschleunigte sich, doch gleichzeitig verbesserte sich die Hautregeneration, indem die neue Haut dehnbarer wurde und auch Haare bildete. Die körperfremden D-Aminosäuren hatten Immunzellen des erworbenen Immunsystems aktiviert, was den Abbau der Gelsubstanz beschleunigte und das Wachstum von normalem Hautgewebe anstelle von Narbengewebe begünstigte. Offenbar ist eine solche Anregung des Immunsystems bei einer Hautverletzung wichtiger für die Wundheilung als eine vorübergehende Stabilisierung der Gerüstsubstanz. Die Forscher wollen nun auch neue Wundgele herstellen, die Substanzen freisetzen, welche bestimmte, die Wundheilung stimulierende Immunreaktionen auslösen. Das könnte helfen, effektivere Behandlungen von Hautverletzungen wie Brand- und Schnittwunden oder schlecht heilende Geschwüre zu entwickeln.

© Wissenschaft aktuell

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