Weniger Harnwegsinfektionen bei vegetarischer Kost

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Der Fleischverzicht könnte verhindern, dass bestimmte Varianten von E. coli-Bakterien in den Darm gelangen, sich dort vermehren und die Harnwege infizieren

Zu den Harnwegen zählen Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre.

Zu den Harnwegen zählen Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre.

© Lennert B / Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Hualien (Taiwan) –

Vegetarier haben ein geringeres Risiko für Harnwegsinfektionen als Menschen, die Fleisch essen. Das gilt insbesondere für Frauen, wie taiwanesische Mediziner im Fachblatt „Scientific Reports“ berichten. Sie halten einen kausalen Zusammenhang für möglich, da die Haupterreger – spezielle Varianten von E. coli – durch den Verzehr von verunreinigtem Geflügel- oder Schweinefleisch in den Darm gelangen. Nach dem Stuhlgang können diese Bakterien dann über die Harnröhre in die Blase eindringen. Denkbar sei auch, dass der hohe Gehalt an Ballaststoffen einer pflanzlichen Kost indirekt das Überleben der Erreger im Darm erschwert. Ob aber eine vegetarische Ernährung tatsächlich zum Schutz vor Harnwegsinfektionen geeignet wäre, müssten weitere Studien erst noch prüfen.

„E. coli-Varianten, die Harnwegsinfektionen auslösen, unterscheiden sich von denen, die zur normalen Darmflora gehören, und von denen, die Darminfektionen verursachen“, schreiben die Forscher um Chin-Lon Lin von der Tzu Chi University in Hualien. Sogenannte uropathogene E. coli-Bakterien (UPEC) wurden auch bei Hühnern und Schweinen nachgewiesen und können mit dem Fleisch in den menschlichen Darm gelangen. Wenn sie darin überleben, stellen sie eine mögliche Quelle für Infektionen der Harnwege dar. Das ist eine der weltweit häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten, von der Frauen deutlich stärker betroffen sind als Männer. Besonders problematisch sind häufig wiederkehrende Infektionen und solche, die von multiresistenten Erregern verursacht werden. Enterokokken, Staphylokokken und Klebsiellen spielen für unkomplizierte Harnwegsinfektionen eine weitaus geringere Rolle als E. coli.

An der Studie beteiligten sich 9724 buddhistische Männer und Frauen aus Taiwan, wovon sich 3040 vegetarisch ernährten. Im Verlauf von zehn Jahren traten 661 Fälle von Harnwegsinfektionen auf. Dabei war das Erkrankungsrisiko für die Vegetarier 16 Prozent geringer als für die anderen. Dieser Zusammenhang erwies sich für Frauen und Nichtraucher als noch ausgeprägter. Bei der statistischen Auswertung wurden Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter und verschiedene Vorerkrankungen berücksichtigt.

Bekanntlich unterscheiden sich Vegetarier und Nicht-Vegetarier in der Zusammensetzung ihres Darm-Mikrobioms, das sämtliche Arten von Darmmikroben erfasst. So ist das Mikrobiom der Vegetarier an den hohen Gehalt an pflanzlichen Ballaststoffen angepasst. Es gibt mehr Bakterien, die Pflanzenfasern zu kurzkettigen Fettsäuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure abbauen und dadurch den pH-Wert im Darm senken. Das sorgt unter anderem für eine im Vergleich zu Fleischessern geringere Keimzahl an E. coli-Bakterien. Außerdem haben einige Inhaltsstoffe pflanzlicher Nahrungsmittel – darunter Polyphenole, Terpenoide und Alkaloide – eine antibakterielle Wirkung, was das Infektionsrisiko durch eingedrungene Krankheitserreger mindern könnte. Zukünftige Studien müssten nun zeigen, ob ein Wechsel zu vegetarischer Ernährung vor einer Harnwegsinfektion schützen oder eine Behandlung unterstützen kann.

© Wissenschaft aktuell

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